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80 Jahre sind seit der Einweihung der Pfarrkirche Bruchhausen vergangen. Lassen Sie sich einladen, diese lange Zeit einmal in Wort und Bild zu erleben und nach abgeschlossener Innenrenovierung die Schönheit der Kirche in Bildern zu betrachten. Doch die Anfänge der Kirchengemeinde sind viel früher zu suchen. Die Kapelle Rodentelgen, die bis zum Bau der jetzigen Kirche als Gotteshaus diente, ist nach ersten geschichtlich fassbaren Quellen um 1450 entstanden. Um diese ehemalige Wallfahrtskirche ranken sich einige Sagen und Geschichten.

Die Rodentelgenkapelle

Die Geschichte und Geschicke Bruchhausens und der alten Kapelle zu Rodentelgen sind eng miteinander verwoben. Ihre Anfänge liegen im geschichtlichen Dunkel, so dass für beide kein exaktes Gründungsdatum angegeben werden kann. Wohl gibt es zahlreiche historische Quellen, die im folgenden zur Erhellung herangezogen werden sollen. Die Kapelle kann neben der Mutterkirche in Hüsten als eine Keimzelle der heutigen Pfarrei St. Maria Magdalena und Luzia angesehen werden.

Wie vieles, dessen Ursprung im Dunkel der Geschichte liegt, ranken sich auch um die Kapelle manche Sagen. So berichtet eine Sage: Als ein Enkel Friedrich Barbarossas den fünften Kreuzzug nach Jerusalem führte, nahm auch ein Ritter aus der Gemarkung Bruchhausen daran teil. Bei seiner Heimkehr empfing ihn seine Gattin mit jubelnder Freude. Jedoch der Burgvogt missgönnte seinem Herrn dieses Glück. Hinzu kam die Rachsucht des Vogts, der während der Abwesenheit des Ritters dessen Frau begehrt hatte, von ihr jedoch abgewiesen worden war. Dafür sollte sie ihm büßen. Eines Tages flüsterte er dem Ritter voller Arglist zu, seine Gattin habe ihm während des Kreuzzugs die Treue gebrochen. Blind vor Wut zog daraufhin der Ritter das Schwert und durchbohrte das Herz seiner unschuldigen Gattin. Sterbend beschwor sie ihrem Gemahl die Wahrheit: „Nie bin ich dir untreu gewesen; schuldig allein ist der Burgvogt, den ich abgewiesen und der mich aus Rache verleumdet hat.“
Ein furchtbarer Reueschmerz durchzuckte den Ritter, dem es wie Schuppen von den Augen fiel. Mit sanfter Hand schloss er die gebrochenen Augen seiner toten Gattin. Dann durchbohrte sein Schwert die Brust des tückischen Burgvogts. Doch das Gewissen ließ dem Ritter keine Ruh und trieb ihn unstet von Ort zu Ort. Die grausige Tat, zu der er sich in jähem, maßlosen Zorn hatte hinreißen lassen, stand überall vor seiner Seele.
Die Flucht vor sich selbst endete unweit der Burg an der Ruhr, dort, wo eine Furt durch den an dieser Stelle seichten Fluss führte. Hier rodete der Ritter den Wald und richtete sich eine stille Klause ein. Dann baute er am selben Ort eine Kapelle zu Ehren der Büßerin Magdalena. Daneben pflanzte er eine Linde. Sie sollte einst sein Grab beschatten. Buße in Gebet und Entsagung füllte fortan das Leben des an Leib und Seele gebrochenen Ritters. Als er hoch betagt und mit Gott versöhnt starb, wurde er unter der Linde zur Ruhe gebettet. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Ruhr ihr Bett geändert. Die Linde, vom Wind zerzaust und greisenhaft geschrumpft, blüht heute noch. Und auch die Kapelle erinnert die Menschen unserer Gegenwart an Schuld und Sühne.

Eine solch rührende Geschichte mag zwar schlichte Gemüter in Vergangenheit und Gegenwart angerührt haben, sie entbehrt jedoch jeglicher geschichtlicher Untermauerung. Eine andere Version über die Entstehung der alten Rodentelgenkapelle sagt folgendes aus: Das Ruhrgelände muss, ehe die ordnende Hand des Menschen hier eingriff, ein Sumpfgelände gewesen sein, wie der aufmerksame Beobachter noch heute vielerorts feststellen kann. Bei genauerer Untersuchung finden sich im Gelände zwischen dem alten Bruchhausen und der Kapelle noch deutliche Spuren eines alten Flussbettes. Wie eine Tafel, die in der alten Kapelle hing ñ heute befindet sie sich in der Pfarrkirche ñ angibt, ist dieselbe Kapelle im Jahre 1464 von der Ruhr hinweggeschwemmt worden. Dies wäre aber nicht möglich gewesen, wenn die Ruhr in weiter Entfernung von der Kapelle vorbei geflossen wäre. Hier in der Nähe haben wir also die Stelle für den von Hüsten in die Gegend des heutigen Arnsberg und der östlich davon liegenden Siedlungen im Ruhrtal führenden Weg zu suchen. Da aber an den Flussübergängen durch ‹berschwemmungen oder durch Starkfluten leicht Gefahren für die Flussübersetzung entstanden, so lag es nahe, dass der Reisende in heidnischen Zeiten den Schutz der Flussgottheit durch Opfer und Gebet zu gewinnen suchte. Schon die Wichtigkeit einer solchen Fährstelle für den normalen Verkehr, und erst recht bei kriegerischen Auseinandersetzungen, mochten hinreichen, dass unsere Vorfahren dieselbe unter den besonderen Schutz einer Gottheit stellten. Wir könnten also hier mit großer Wahrscheinlichkeit eine heidnische Kultstätte suchen. Als das Christentum hier eingeführt wurde, verwandelte sich dieselbe in eine christliche Stätte.

Am wahrscheinlichsten, und auch geschichtlich zu untermauern, ist jedoch der Zusammenhang der Kapelle mit der so genannten Soester Fehde. Im Jahre 1446 wüteten die Soester im Kampf gegen die Arnsberger Herrschaft im gesamten Ruhrtal und zerstörten viele Weiler und Kotten, verschleppten das Vieh, mordeten und plünderten. Am Ende jedoch mussten sie erfolglos wieder abziehen. Damals könnte der damalige Pfarrer von Hüsten, Johann von Grevenstein aus Soest, zur Sühne für die von den Bürgern seiner Vaterstadt angerichteten Schandtaten eine Kapelle errichtet haben. Denn die ältesten Einkünfte (= Renten) dieser Kapelle dem damaligen Pfarrer von Hüsten unter der Bedingung verschrieben worden sind, dass er für Johann von Grevenstein und dessen Eltern ein Jahrgedächtnis halte. Andere geschichtlich fassbaren Quellen besagen ebenfalls, dass die Kapelle wahrscheinlich um das Jahr 1450 entstanden sein muss. Sie wurde dann im Jahre 1464 bei einem Hochwasser der nahe vorbeifließenden Ruhr zerstört und später wieder aufgebaut.
In der damaligen Zeit war die wirtschaftliche Unterstützung für die Erhaltung der Kapelle selbst sowie für die dazugehörige Kaplanei in Hüsten von großer Bedeutung. Je mehr Einkommen der Kirche zufloss, desto gesicherter war ihre Existenz für die Zukunft. Während die Kapelle in den ersten zwei Jahrhunderten ihres Bestehens ein gern und oft besuchter Wallfahrtsort und Stätte der Andacht und des Gebetes war, wurde ihr diese Stellung später durch die neu errichteten Wallfahrtsstätten in Werl und Menden streitig gemacht. Damit verlor die Kapelle auch einen Großteil ihres wirtschaftlichen Fundaments.

Zunächst jedoch war nichts davon zu spüren, im Gegenteil. Bei der Wiederherstellung der Kapelle 1464 wurde wie bereits gesagt ein Teil der freiwilligen Gaben dem Hüstener Pfarrer zugewiesen, damit er einen Kaplan unterhalte, welcher in der Pfarrkirche und der Kapelle wöchentlich zwei Messen las und für die Wohltäter betete. Der andere Teil der Opfergaben wurde für die Unterhaltung des Gebäudes selbst und die Kirchengeräte bestimmt. Allmählich aber versiegten diese Einnahmen wegen der Wallfahrten nach Werl und Menden mehr und mehr. Die Einnahmen bestanden weiterhin aus freiwilligen Gaben, welche namentlich bei der Jahresfeier der Einweihung sowie an den Festen der hl. Magdalena, der Patronin der Kapelle, und der hl. Luzia dargebracht wurden. Letztere rief man um Hilfe an bei der in dieser Gegend nicht selten auftretenden Ruhrepidemie. Aber man wallfahrtete dorthin auch zur Erflehung günstiger Erntewitterung. Am Sonntag nach Magdalena zog seit alter Zeit eine Prozession von Hüsten zur Rodentelgenkapelle.
Bis heute hat sich die daraus entstandene Tradition erhalten, dass am Patronatsfest St. Maria Magdalena die Gemeinde nach dem Hochamt in der Pfarrkirche in feierlicher Prozession zur alten Kapelle zieht, um dort der Festpredigt zu lauschen und um Gottes Segen zu erbitten. Wenn man die Kapelle in ihrer heutigen Form sieht, stellt man vier verschiedene Bauabschnitte fest. Die Giebelseite des Turms in den unteren Teilen, sowie die Tür und das erste Fenster auf der Nordseite, sind massiv gemauert und bestehen aus kleineren Ruhrsteinen. Dieser älteste Teil ist wahrscheinlich bei der Verwüstung durch die Ruhr stehen geblieben. Wie in der oben erwähnten Urkunde bezeugt, wurde dieser Rest 1464 wieder zu einer kleinen Kapelle (mit Fachwerkbau) ausgebaut. Er reicht bis zur Mitte des jetzigen Gebäudes, wie unschwer an der Decke und dem Dach zu sehen ist. Im Jahre 1659, wahrscheinlich wegen des großen Besucherandrangs, wurde die Kapelle erneut erweitert. Die halbrunde, dreifenstrige Sakristei aus massivem Mauerwerk, wurde später an den damaligen Ostgiebel zwecks besserer Gestaltung lose angesetzt.

Äußerst kritisch für den Fortbestand der Kapelle war die Tätigkeit des Pfarrers Franz Lohne (1821 - 1845). Er nahm der Kapelle den regelmäßigen Gottesdienst und damit die wirtschaftliche Grundlage. Somit war sie zum Abbruch verurteilt. Sie verfiel immer mehr und drohte sogar einzustürzen. Erst 1837 konnte mittels einer Sammlung das altehrwürdige Gotteshaus vor dem endgültigen Zerfall gerettet werden.

Im Laufe der Zeit hatten sich die örtlichen Gegebenheiten grundlegend geändert. Aus dem kleinen Dörfchen Bruchhausen war, seitdem in der Nähe größere gewerbliche Anlagen entstanden, ein größerer Ort geworden. Die Einwohner wünschten eine Vergrößerung ihres Gotteshauses und einen eigenen Geistlichen. Auf Antrag wurde 1897 ein Vikar in Bruchhausen angestellt. Bei dem Ausbau der Kapelle wurde der Altar vier Meter zurückgesetzt, indem die Sakristei in die Kirche einbezogen und eine neue Sakristei angebaut wurde. Die neue Kapelle erhielt am 10. November 1897 die kirchliche Weihe. Durch anhaltendes starkes Bevölkerungswachstum war aber auch diese vergrößerte Kapelle schon bald wieder zu klein geworden. Deshalb beschloss man den Neubau einer Kirche, der 1925/26 verwirklicht werden konnte.

Da die Kapelle für Gottesdienste nicht mehr benötigt wurde, nutzte man sie in den folgenden Jahrzehnten als eine Art Gemeindesaal für Theater- und Filmvorführungen sowie später als Jugendheim. 1968 überließ man sie der hiesigen evangelischen Kirchengemeinde. Während der letzten Restaurierung der Pfarrkirche 2003/04 diente die Kapelle der Gemeinde wieder als Gottesdienstraum. Zurzeit steht sie nun wieder leer. Droht ein erneuter Verfall? Ein überzeugendes Nutzungskonzept fehlt noch. Die Idee, die Kapelle als Jugendkirche für das Dekanat zu nutzen, ist verworfen worden. Aus ortsgeschichtlicher Sicht jedenfalls wäre ihre Erhaltung äußerst wünschenswert.

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